Wunderbar homogen

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Was im 317. Kammermusik-Konzert im lburger Schloss sofort auffällt, ist die wunderbare klangliche Homogenität des Klenke Quartetts. Und die kommt nicht von ungefähr: Eine nun schon zwanzig Jahre währende Beziehung prägt eben. Denn im Mai 1991 trafen sich die vier Erstsemester-Studentinnen Annegret Klenke (1. Violine), Beate Hartmann (2. Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) an der Musikhochschule Weimar zum ersten Mal zu einer Probe - wegen eines Pflichtscheins im Fach Kammermusik.

Diese Pflichtübung verlief dann so erfolgreich, dass die vier jungen Damen, die alle Jahrgang 1972 sind, einfach zusammenblieben. Die mutige Entscheidung, sich keine feste Orchesterstelle zu suchen, sondern dem Quartettspiel zu verschreiben, wurde belohnt: Mittlerweile kann das Klenke Quartett auf zahlreiche Preise und CD-Einspielungen zurückblicken und konzertiert regelmäßig mit anderen namhaften Künstlern wie etwa dem Pianisten Martin Stadtfeld.

In der Iburg sind die vier Streicherinnen jedoch in reiner Quartettformation zu hören und beginnen gleich mit einer Rarität, nämlich mit fünf Fugen aus Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier in einer Fassung für Streichquartett von Wolfgang Amadé Mozart.

Darin finden sie sofort zu ihrem verblüffend vollen und dennoch transparenten Quartettklang, wobei sie sich in ihrer differenzierten Bogenbehandlung und im gezielten Einsatz von Vibrato ansatzweise von der historischen Aufführungspraxis beeinflusst zeigen.

Nach der klaren Musiksprache des 18. Jahrhunderts wirkt das Streichquartett Nr. 8 von Dmitri Schostakowitsch besonders düster. Allerdings verarbeitet Schostakowitsch darin auch beklemmende Erfahrungen mit dem Stalinismus. Motorisch wild und mit gellenden Aufschreien nehmen die Musikerinnen den zweiten Satz, und das insgesamt wie ein Trauergesang wirkende Quartett verklingt fahl und verschleiert. Lediglich die folkloristischen Einschübe lassen wie durch einen Türspalt etwas Licht ins Dunkle hereinscheinen.

Deutlich aufgehellter ist die zweite Konzerthälfte, die einzig aus dem Streichquartett e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy besteht. Hier spielen die Musikerinnnen das Allegro assai appassionato mit virtuosem Feuer, wobei sie geschmacks sicher nie zu dick auftragen. Im wirbelnden Scherzo lächeln sie sich zu, und nach dem zart wiegenden Andanto geht es im Finalsatz noch einmal richtig zur Sache, und wieder begeistert der absolut geemeinsam empfundene Gestus. Dass auch noch die lanngen rotbraun-goldenen Röcke der Damen exakt zur in denselben Farben gehaltenen Barockverkleidung des Rittersaals passen, ist ein schöner und zu der Homogenität des Konzerts durchaus passender Zufall.

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