Vollkommene Klangbalance

Thüringische Landeszeitung

Große Erwartungen an feinste Kammermusik schlugen dem Klenke Quartett „plus“ Martin Stadtfeld am Freitag im Konzertsaal des Musikgymnasiums Schloss Belvedere entgegen - sie wurden nicht enttäuscht. [...] Ein intim erschütterndes Bekenntniswerk ist dagegen Schostakowitschs 8. Streichquartett, das des Komponisten innere Zerrissenheit und Bedrängnis im Stalinismus beschreibt. Nicht nur sein Monogramm in Tönen, d-es-c-h, sondern auch Zitate seiner Werke und russischer Revolutionslieder durchziehen die Sätze, und ermöglichen eine semantische Deutung, die die ohnehin geballte Ausdruckskraft des Werkes noch unterstreicht. Das Klenke Quartett schilderte die freudlos desolate Stimmung, verströmte mit ausgefeilten Klangnuancen und atmosphärischem Sensualismus eine beklemmende Faszination am gehetzten, aufbegehrenden und schließlich hoffnungslosen D.Sch. Das technisch versierte Spiel der Damen verblüffte durch eine stets vollkommene Klangbalance, die auch bei größtem Ausdrucksgehalt bewahrt wurde. Stadtfeld schaffte es in Schostakowitschs Klavierquintett op. 57, dazu einen klanggewichtigen Gegenpol darzustellen, oder sich in Momenten voll Innerlichkeit weich einzufügen. Mit ausgeprägtem Gestaltungsreichtum, beispielsweise der barpianistischen Imitation im überzogenen Scherzo oder den Anklängen an slawische Volkslieder im Finale, gaben Klenke „plus“ eine fesselnde Soirée, und geizten nicht mit Zugaben.

Julia Stadter
TLZ 03.05.10

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