Sehnsucht nach Andalusien

Thüringer Landeszeitung

Inzwischen werden sie überregional geschätzt und gelobt, denn "sie gehören mittlerweile zu den spannendsten Streichquartetten ihrer Generation". So kennen auch wir das Klenke-Quartett nun schon seit Jahren und sind jedes Mal neu verwundert, wie Annegret Klenke (Viol. I), Beate Hartmann (Viol.II), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) dieses Niveau des Musizierens und vor allem des stilistisch pointierten Interpretierens zu halten wissen - mit dem herrlich abgestimmten, die Rhythmik betonenden Gesamtklang, der Übersicht über thematische Verflechtungen, dem hellhörig agogischen Miteinander, der Hingabe an klangliche Nuancen und dem beseelten Singen jeder noch so kleinen Melodie. Und obgleich sich das Urteil explizit auf ihre Klassikdarbietungen bezieht, konnten wir uns am Sonntag bei der Matinee auf Schloss Ettersburg davon überzeugen, dass sie den Ausflug in südliche Gefilde mit populären Tanzadaptionen, mit Tango, Fandango und dem sehnsüchtig schmerzvollen Traum durch die andalusische Nacht genauso vollblütig, geschmackvoll und zugreifend zu bestehen wissen. Mit von der Partie waren Thomas Müller-Pering und seine Gitarre - letztlich war er es, der das Sahnehäubchen draufsetzte, das das Konzert in den Rang des Außergewöhnlichen erhob. Einschmeichelnd und sonor im Ton, verband sich die Gitarre mit den Streicherklängen, erzeugte mit rauschenden Arpeggien stimmungsvolle Akzente und mit einzelnen Tönen glockenähnliche Animation. Der Solist zeigte überhaupt mit musikalischer Verve und spieltechnischer Lust die seriösen Seiten dieses heute noch oft missverstandenen, abqualifizierten Instruments - einfach herrlich! [...]

Hans-Jürgen Thiers

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