Mit temperamentvoller Virtuosität

Luxemburger Tagblatt

Den Organisatoren war es gelungen, eines der derzeit besten und aufregendsten Quartettformationen einzuladen. Das Klenke Quartett, das sich aus vier ehemaligen Studienkolleginnen der Musikhochschule Weimar zusammensetzt, debütierte bereits 1994, den großen internationalen Durchbruch aber schaffte das Ensemble 2007, als es bei der „Midem“ in Cannnes für seine herausragende Einspielung der Mozart-Quartette KV 458 & 428 ausgezeichnet wurde. [...]

Wir können nur hoffen, dieses hervorragende Klenke Quartett so schnell wie möglich auch in Luxemburg begrüßen zu können. Und dann am besten als Artists in residence.

Zusammen mit dem jungen Klarinettisten Clemens Trautmann spielte das Klenke Quartett in der zweiten Konzerthälfte Mozarts Klarinetten-Quintett A-Dur KV 581. Was das Publikum im voll besetzten Saal erleben durfte, das war eine Lektion in Sachen Kammermusik. Der einzigartige Klang des Quartetts besticht einerseits durch filigrane Stimmführungen und präzis ausgesungene Melodien, andererseits durch temperamentvolle Virtuosität und einen gehörigen Schuss Dynamik. Obwohl die vier Musikerinnen immer die große Linie im Auge hatten, entwickelte sich ihr Spiel frei und voller Charme. Clemens Trautmann verließ sich demnach voll auf die Sicherheit seiner Partnerinnen und beeindruckte mit fast improvisatorischer Leichtigkeit. Der wunderschöne dunkel timbrierte Klang seiner Klarinette passte exzellent zu der immens farbigen Leuchtkraft der vier Streichinstrumente.

Aber auch die erste Konzerthälfte zeugt von dem außergewöhnlichen Niveau dieses Quartetts. Mit Peter Tschaikowskys Streichquartett Nr. 2 op. 22 entführten die Musikerinnen das Publikum in eine durch und durch faszinierende Klang- und Gefühlswelt.

Die Frische und Lebendigkeit ihres Spiels, gekoppelt mit einem Hauch historischer Aufführungspraxis – was ebenfalls dem Larghetto von Mozarts Klarinetten-Quintett hervorragend zu Gesichte stand – entledigte sich schnell der pathetischen Schwulst und der übertriebenen Sentimentalitäten, die Tschaikowskys Werken immer noch anhaften. Somit klang das op. 22 wie geläutert, der Klang war in jedem Moment durchhörbar und schön, zudem spielten sich besonders die Bratsche und das Cello gewollt in den Vordergrund, so dass auch die dunklen Klänge vollends zur Geltung kamen und dem Werk eine ganz neue Dimension und ungewohnte Klangfarben gaben.

Die Fuge im letzten Satz wurde zu einem Musterbeispiel an interpretatorischer Geschlossenheit und spieltechnischem Glanz. Als stünden die vier Musikerinnen unter Starkstrom. Überhaupt konnte man sich von dem homogenen und immer auf eine innere Balance ausgerichteten Spiel kaum lösen, so suggestiv verstanden es die vier Musikerinnen ihr Publikum in einen wahren Tschaikowsky-Rausch zu versetzen. Das war Hochspannung pur. Großartig! [...]

Nach jedem Werk gab es begeisterten Applaus, so dass am Schluss das Klenke Quartett zusammen mit Clemens Trautmann noch einmal das wunderschöne Larghetto aus Mozarts Quintett spielte. [...]

Wir können nur hoffen, dieses hervorragende Klenke Quartett so schnell wie möglich auch in Luxemburg begrüßen zu können. Und dann am besten als Artists in residence.

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