Meisterhaftes Klassik-Spiel

Thüringer Landeszeitung

Klenke-Quartett überzeugte mit Beethoven, Mozart und Ligeti
Sie wollen Klassik klassisch spielen - und können es! Den Beweis erbrachte das Klenke-Quartett wieder einmal am Freitag in der Jakobskirche Weimar. Erstaunlich ist es schon, wie sich Annegret Klenke (Violine 1), Beate Hartmann (Violine 2), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello) nunmehr seit über 20 Jahren den Versuchungen der Zeit widersetzen. Wie sie sich weiterhin jener Gesetzmäßigkeit unterwerfen, die sie von Anfang an beim gemeinsamen Studium der Musik an der Franz-Liszt- Hochschule Weimar verinnerlicht haben und die ihnen dennoch die zum griffigen und spirituell angeregten Musizieren notwendigen Freiräume belässt zwischen Rationalität und Emotionalität. Ihre Beethoven-Interpretation (Quartett F-Dur op.59/1 von 1806, eines der "Rasumowski"-Quartette) darf heutzutage als beispielhaft gelten: in der auch kleinste Motive erfassenden und alle Instrumente einbeziehenden Feinabstimmung des Spiels, im absoluten Gleichklang von Artikulation und rhythmischer Stringenz sowie in Erkenntnis und Darbietung der breit gestreuten inhaltlichen Empfindsamkeit zwischen humorigem Einfall und tänzerischem Antrieb, zwischen intimer Kantabilität und lässigem Vorwärtsdrang [...] angesichts eines derart bewussten, stilistisch fundierten, agogisch leidenschaftlich durchtränkten und zugleich dennoch vornehm distanzierten Spiels.
Und auch beim Quartett Nr. 1 von 1953 des einst als Protagonist der zeitgenössischen Moderne geltenden Ungarn György Ligeti (1923-2006) bleiben sie vom Grundsatz her ihren Prinzipien treu: Die Spannung der Aufführung - und der zu entdeckenden, umzusetzenden und zu interpretierenden Kontraste gibt es in der Tat unwahrscheinlich viele - hat aus der Struktur, der inhaltlichen wie der technisch-spielerischen, zu erwachsen. So liegen die auffallendsten künstlerischen Potenziale dieser Spielvereinigung, die sich im Streben um den Erhalt langjährig bewährter Traditionen und deren Weiterführung in die Zukunft einen Namen gemacht hat, nach wie vor im praktizierten Widerstand gegen den üppig wuchernden Dschungel einer subjektiven, allein vom musikantischen Temperament her gesteuerten Beliebigkeit des Musizierens. Mögen sie diese einmal gewählte Aufgabe niemals aus den Augen verlieren.

Hans-Jürgen Thiers

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