Keine Scheu vor schräger Wirkung

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Primaria und Namensgeberin des Klenke-Quartetts ist die prägende Gestalt des Damen-Ensembles, [...] Ohne ihre Mitspielerinnen Beate Hartmann (Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Cello) zu stark zu übertönen, übernimmt Annegret Klenke souverän die Führungsrolle, wenn es die Werke musikalisch erfordern. Beim Konzert der Frankfurter Schumann-Gesellschaft in der Villa Bonn war das in Haydns Streichquartett d-Moll op. 76 Nr. 2 Hob. III 76 so wie später in Mendelssohns Quartett D-Dur op.44 Nr.1. Bei Haydn kamen auf diese Weise im langsamen Satz die fast unentwegten Passagen der ersten Violinstimme in blitzsauberem Vortrag über den in all ihrer Einfachheit doch sehr differenziert ausgeführten Begleitstimmen ebenso gut zur Geltung wie die nahezu konzertierend wirkenden Parts im Kopfsatz und Finale bei Mendelssohn.

Seinen Beinamen „Quintenquartett“ hat Haydns Werk wohl aufgrund der beiden fallenden Quinten bekommen, die als Soggetto den ersten Satz prägen. Doch tauchen auch im Menuett und im Finale viele rustikale Quart- und Quintklänge auf, wie das Klenke Quartett mit recht derbem musikantischem Spiel ohne Scheu vor der oft merkwürdig „schrägen“ Wirkung hervorhob. In Mendelssohns drittem Gattungsbeitrag gefiel später besonders, wie das Ensemble im langsamen Satz die Verbindung aus romantischem Melos und dem in weiten Linien fließendem Kontrasubjekt darstellte: Das Vorbild Bach trat deutlich hervor.

Im Zentrum des Programms stand das Quartett g-Moll op. 10 des Jubilars Debussy in einer Interpretation, die von einer gedeckten Grundfärbung ausgehend viele Valeurs bot und auch grelle Spitzen nicht mied. Nach dem in den Pizzikati spielerisch und der Vortragsanweisung gemäß „bien rythmé“ aufgefassten zweiten Satz schien der mit „Andantino“ verniedlichend überschriebene dritte der Kern zu sein, klanglich delikat zubereitet, voller Trost. [...]

Guido Holze
FAZ 04.12.12

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