Hervorragend

Klassik Heute

Klenke Quartett - Mozart Streichquartette 428/458

Auch gegen die berühmte und klassisch gewordene Aufnahme des Alban Berg Quartetts von 1987 gehalten, behauptet sich diese neue Einspielung des Klenke Quartetts ganz hervorragend. Dies liegt nicht nur an der unleugbaren Klangschönheit und der überlegenen Intonation, sondern vor allem an Phrasierung und Artikulation. Die vier Damen lassen sich nämlich nicht vom derzeit herrschenden Trend zur Kurzatmigkeit beeindrucken: Töne werden ausgehalten und motivische Gestalten wirklich ausgesungen. So wirken im langsamen Satz des Streichquartettes Es-Dur KV 428 die Phrasenschlüsse über die melodischen Nahtstellen hinweg und erzeugen so ein stets atmendes, doch dichtes Kontinuum.

Gerade diese Stärke und Tragfähigkeit des Linienspiels läßt die teilweise unerhörten, knirschend-dissonanten, ja, schrägen kontrapunktischen Verbindungen Mozarts, der ja an diesen Haydn-Quartetten nach eigenen Angaben „lange und mühevoll“ gearbeitet hat, sehr deutlich hervortreten. Der Mut der Klenkes, eine Linie auch einmal festzuhalten und sicher und intensiv durchzuartikulieren, zahlt sich aus, weil Mozarts anspruchsvolle und kühne Satztechnik dadurch hier einmal nicht geglättet und verharmlost wird. Auch die Mittelstimmen werden stets unaufdringlich hervorgeholt, was dazu beiträgt, etwa in der Durchführung des ersten Satzes des Es-Dur-Quartettes, die metrischen Differenzen zu betonen. In dieselbe Richtung wirkt schließlich die Vielfalt der ausgestellten Timbres: Zur Palette an verführerisch leuchtenden Farben im Zusammenspiel der Violinen kommen auch immer wieder fahle Schattierungen.

Wohlgemerkt wird die Radikalität Mozarts rein strukturell, also ohne jede artikulatorische Grobheit, entdeckt. Die Akzente in den Scherzi sind sehr maßvoll gesetzt, die verschiedenen Ebenen der so kontrastreich gebauten Exposition von KV 428 sehr organisch verbunden, und alle vier Streicherinnen gestatten sich auch einmal ein schönes und klangvolles Vibrato auf einem einzelnen Ton. Es ist genau dieser nach innen wirkende artikulatorische Reichtum, der die Lebendigkeit dieser Mozart-Deutungen hervorbringt, nicht etwa nur äußerliche Effekte wie etwa Tempo allein. So erklärt sich, warum der Kopfsatz des Jagd-Quartettes geradezu ins swingen kommt – ohne freilich wohlfeile und unangebrachte Anleihen aus der U-Musik zu nehmen.

Die Klangqualität schließlich ist der Referenzaufnahme des Alban Berg Quartetts in ihrer gänzlich unhalligen Präsenz sogar überlegen.«

Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität: 9
Gesamteindruck: 9
Bewertungsskala 1-10

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