Flirrende Klangflächen

Thüringische Landeszeitung

Das Klenke Quartett thematisierte in seinem jüngsten Konzert musikalische "Künstlerfreundschaften"

Musikhistorische "Künstlerfreundschaften" thematisierten Kolja Lessing und das Klenke Quartett in der Konzertreihe "Auftakt": Neben Mozart und Haydn, stellten sie zwei kaum bekannte Komponisten des 20. Jahrhunderts einander gegenüber - den Franzosen Philipp Jarnach und seinen Schüler Werner Wolf Glaser, dessen Klavierquintett Nr. 3 am Freitag in Weimar uraufgeführt wurde. Der jüdische Glaser flüchtete während des Zweiten Weltkriegs nach Schweden, gründete dort eine Musikschule und wirkte neben seiner kompositorischen Tätigkeit vor allem auf dem Gebiet der Musiktherapie. Das dreisätzige Werk aus seiner letzten Schaffensperiode ist voll klanglicher Expressivität und Spannungsintensität. Es verarbeitet in der Gegenüberstellung von Klavier- und sattem Streicherklang motivisches Material. Dialogisierend greifen die Instrumente die eingebrachten Ideen auf, wandeln sie ab, forcieren den rhythmischen Impetus. Neben flirrenden Klangflächen stehen rezitativische Einschübe, tragisch-dramatische Phrasen und jazzige Anklänge. Berstender Ausdruckswille durchzog auch seines Lehrers "Musik zum Gedächtnis der Einsamen" - ein Streichquartett, das die Leere und Verlorenheit des isolierten Individuums in Töne kleidet. Kurze melodische Abschnitte, mal verwoben, mal licht geführt, dunkles Timbre und sonore Celloklänge durchzogen dieses Aufbegehren gegen die Vereinzelung. Lebendige Ausgelassenheit tönte dagegen aus Mozarts Divertimento KV 136. Temporeich und voll übermütigen Lauffeuers gab das Quartett diese heitere Spielmusik, deren melodischer Erfindungsreichtum und unbeschwerte Leichtigkeit gewohnt präzis, in unendlichem Elan und mit fesselnder dramatischer Kraft erstrahlten. Brillierten die Oberstimmen in raschem Figurenwerk, erzeugte das Cello mächtige rhythmische Verve in simplen Tonrepetitionen. Joseph Haydns Weg zur klassischen Sonatenkomposition verdeutlichte Kolja Lessing in der Klaviersonate As-Dur (Hob. 46). Barocke Züge trug das Adagio mit polyphonem Stimmengeflecht, das der Pianist meisterlich zu erklären verstand, während das Presto rechte und linke Hand in Skalengängen gegenüberstellte.

Julia Stadter

TLZ 30.01.13

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