Erfrischender Ritt ins Moderne

Thüringische Landeszeitung

Ob Weimar, ob Thüringen eigentlich weiß, was es am Klenke-Quartett hat? Annegret Klenke und Beate Hartmann (Violinen), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Cello) spielen nunmehr in einer oberen Liga, die im weiteren Umfeld einfach nicht vorhanden ist. Der Prozess technisch-tonlich-musikalischer Verschmelzung hat eine phänomenale Perfektion erreicht, zu spüren ist professionell gearbeitetes Quartettspiel als gemeinsam zu bewältigende Aufgabe. Und sie haben die Gabe, Gleichgesinnte zu entdecken und als Partner zu gewinnen: wie für das Konzert am Samstag im Schießhaus Weimar mit seiner prächtigen Akustik das Duo Brillaner (Shirley Brill, Klarinette, und Jonathan Aner, Klavier) - aus wechselseitiger Anregung erhielt das Konzert eine ungewöhnlich lebendige Ausstrahlung.

Werke von Sergej Prokofjew füllten den ersten Teil: die "Ouvertüre über Hebräische Themen" bezauberte durch schlichte Sanglichkeit vor üppig kolorierendem Klavier, die Sonate op. 95 für Klarinette und Klavier erfuhr durch die beiden exzellenten Solisten, die sich aufs Innigste mit ihren Instrumenten verbunden fühlten und das mit Temperament und vielseitiger klanglicher Fantasie auch zeigten, eine brillant schillernde, mitreißend dramatische Wiedergabe - mal anders eben, denn an der feinen Ironie des Weltbürgers Prokofjew gingen sie einfach vorbei. Bei Anwesenheit des Komponisten Detlev Glanert erklang dann das Sextett "Noctambule", klar strukturierte und erregend bizarre Nachtgedanken und -bilder, aus vorbeifliegenden Motivfetzen und wabernd-verzerrten Klangflächen fließend zusammengestellt - Ausdruck einer romantisch inspirierten Poesie, wie sie zeitgenössischen Werken ihrem Wesen nach fremd sein muss. Das Klavierquintett des 1868 in Lemberg geborenen Carl Frühling, 1897 nach dem Vorbild Schumanns und Brahms' entstanden, keinesfalls aber von gleichem inhaltlichen Gewicht, dafür von aparter Harmlosigkeit und mit solchem Anspruch auch genüsslich gespielt - denken wir nur an das vergnügliche Scherzo - rundete einen niveauvollen, von Anfang bis Ende herzerfrischenden Konzertabend ab - eben à la Klenke.
 
Hans-Jürgen Thiers
TLZ 29.04.12

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