DeutschlandRadio im Gespräch mit dem Musikjournalisten Jürgen Otten

DeutschlandRadio | 18.01.2005

Klenke Quartett - Mozart Streichquartette 387/421

Für Ihre geschulten Ohren, wie klang denn da der Mozart in der Fassung des Klenke Quartetts?

Ich möchte Ihnen mit Goethe antworten. Goethe ist ja berühmt geworden durch einen Bonmot, was er an Eckermann weitergereicht hat, nachdem er einen Quartettabend in Berlin gehört hatte Und da sprach er von einem geistreichen Diskurs vier vernünftiger Leute. Es waren damals natürlich Männer, und wenn wir jetzt Leute ins Weibliche hinüberretten, würde ich sagen, ist es ein sehr geistreicher Diskurs vier vernünftiger Damen. Vernünftig in dem Sinne, daß diese Interpretation sehr apollinisch gehalten ist, sie schafft es, daß die vier Stimmen unglaublich gut ineinander, miteinander verwoben sind und daß jede dieser Stimmen ihre Einzigartigkeit behält. Und das ist das Schöne bei diesem Streichquartett. Es sind vier gleichberechtigte Musikerinnen, die aufs Wunderbarste, ja delikat miteinander sprechen.

Woher kommt die Qualität bei diesem Quartett?

Ich denke, sie kommt dadurch, dass die vier Musikerinnen sehr gut ausgebildet sind. Dass sie dem Werk im besten Sinne des Wortes dienlich sind, also dem Werk dienen, indem sie das, was Mozart in jahrelanger harter Arbeit zu Papier gebracht hat, einfach sehr ernst nehmen. Sie versuchen nicht, dem Mozart etwas aufzudrücken, was er gar nicht hat. Mozart hat Haydn als Vorbild für diese Quartette gehabt, ihm sind die Quartette auch zugeeignet. Diese Haydnsche Strenge, die findet sich in diesem Mozart wieder, und die findet sich eben auch in der Interpretation durch das Klenke Quartetts wieder, und das finde ich daran wirklich ganz famos.

Diese Mozart-Quartette, die das Klenke Quartett jetzt einspielt, welchen Rang haben die in dieser Welt, in der Welt des Streichquartetts?

Sie haben einen sehr, sehr hohen Rang. Sie begründen im Grunde den Ruhm Mozarts als Streichquartettkomponist. Mozart hat Haydn zum Vorbild gehabt, und Haydn ist ja der Begründer der Gattung. Er hat sie auch in den Adelsstand erhoben, und Mozart ist ihm darin gefolgt. Die Zueignung der sechs Quartette, die Haydnsche Quartette genannt sind, belegt eben, daß er dem Meister dieser Gattung damit huldigte. Er hat das Prinzip des Dialogs, des demokratischen Dialogs, in diesen Streichquartetten wirklich in den Rang der Meisterschaft erhoben. Und das ist es, was sie dort oben sein lässt: im Olymp.

Das Klenke Quartett gibt es seit 1991. Hat sich das Quartett schon länger mit Mozart beschäftigt, oder ist das die erste konzentrierte Annäherung?

Auf der Platte ist es die erste konzentrierte Annäherung. Was auch sehr vernünftig ist, denn Mozart ist das Schwierigste, immer und immer wieder, neben Haydn, im Fall des Streichquartetts. Die Damen haben sich natürlich während ihrer Ausbildung immer wieder mit Mozart beschäftigt. Mozart gehört zum Streichquartettspiel wie für uns das Brot zum Leben. Also, wir müssen das als Ernährung haben, die Musiker müssen die Mozart-Streichquartette als Nahrung haben. Daß sie jetzt damit als zweite CD in die Öffentlichkeit treten, ist mutig. Aber sie sind ein gewachsenes Quartett, sie spielen jetzt vierzehn Jahre zusammen, sie haben in dieser Zeit kontinuierlich an ihrem Mozartspiel gefeilt, und das merkt man eben auch. Es ist einfach unglaublich seriös.

Mit welcher Musik hat sich das Klenke Quartett auf ihrer ersten CD befasst?

Sie haben eine sehr reizvolle Mischung gewählt: ein Quartett von Karl Goldmark, den nur wenige kennen, der auch nur ein Streichquartett komponiert hat. Ein sehr romantisches Werk. Und dann haben sie es gekoppelt mit Mendelssohn, einem frühen Mendelssohn, der wie der frühe Mozart ein Genie war und ein wunderschönes Stück hingelegt hat. Das war die erste CD, und die war durch ihre klangliche Raffinesse schon sehr bestechend. Von da nach Mozart zu gehen, ist relativ schlüssig.

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