Der CD-Tipp

hr2 kultur

Klenke Quartett - Tschaikowski

Was ist ein Streichquartett? Vier künstlerische Alphatiere, die, ganz durchdrungen von ihrer Ausdruckskraft, sich gegenseitig übertrumpfen und dabei ein vibrierendes Chaos in einheitlichem Forte produzieren? Solche Streichquartette gibt es. Und gar nicht so selten. Aber es geht auch anders. Wir stellen Ihnen heute ein Gegenbeispiel vor: das Klenke-Quartett hat auf einem Doppelalbum die drei Streichquartette von Peter Tschaikowsky eingespielt, außerdem sein Streichsextett „Souvenir de Florence“.

Welch ein fein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel! Im zweiten Satz des 1.Streichquartetts zum Beispiel, einem Andante cantabile, versucht keiner, sich in den Vordergrund zu spielen, selbst die Melodiestimmen nicht. Das Ergebnis: Piano wird möglich. Und der Ausdruck wird intensiver – und zwar um ein Vielfaches.

Das Andante cantabile aus Peter Tschaikowskys Streichquartett Nr.1 D-Dur, gespielt vom Klenke-Quartett. Exquisit ist die völlig entspannte Kultiviertheit der vier Teilnehmerinnen dieses musikalischen Gesprächs, das mehr ein gemeinsames Lauschen ist. Ja, es sind vier Frauen, die da zusammenspielen. Doch ihre Musik ist nicht etwa besonders „emotional“. Sie ist vielmehr nüchtern im besten Sinne. Zurückhaltend. Klug. Transparent. Und dadurch vielleicht intensiver, als wenn die bereits erwähnten Alpha-Tiere im Streichquartett vollmundige Vibrati zelebrierten. Apropos Vibrato: das ist beim Klenke-Quartett sehr sparsam dosiert. Historisch informiertes Spiel. Dadurch treten die Strukturen deutlicher hervor, Rhythmen beginnen zu federn und elastisch zu werden. Ein Beispiel: der Finalsatz des Streichquartetts Nr.3 es-Moll von Peter Tschaikowsky, das er zum Tod des Geigers Ferdinand Laub komponierte. Im Gegensatz zur Trauer des langsamen Satzes wirkt der Schlußsatz eher wie ein Blick nach vorne: ein energisches Rondo, Allegro non troppo e risoluto.

Der vierte Satz aus Peter Tschaikowskys letztem Streichquartett, dem 3., in es-Moll. Alle drei Streichquartette von Tschaikowsky hat das Klenke-Quartett nun bei Berlin Classics eingespielt – Aufnahmen, in denen es sich einmal mehr als wunderbar ausgewogener Klangkörper präsentiert, mit großer Tiefenschärfe der Interpretation. Das Klenke-Quartett,

das sind vier Musikerinnen, die seit 16 Jahren zusammenspielen – kennengelernt haben sie sich an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar. Wir wollen nicht vor lauter Bewunderung uns dazu versteigen, zu behaupten, ihre weibliche Sensibilität sei ein Grund für ihre Kunst. Für das gegenseitige Zuhören, das Achten auch auf die feinen Zwischentöne der Kommunikation. Schließlich fügen sich auch Harald Schoneweg, Viola, und Klaus Kämper, Violoncello, nahtlos ein beim Streichsextett Souvenir de Florence.

Daraus nun der letzte Satz, Allegro vivace, in dem alle 6 Streicher die wunderbare Leichtigkeit des Seins genießen: ein Vivace, das vor punktgenauen Akzenten knistert.

Allegro vivace, der vierte Satz des Streichquartetts „Souvenir de Florence“ von Peter Tschaikowsky, interpretiert vom Klenke-Quartett, mit den Gästen Harald Schoneweg, Viola, und Klaus Kämper, Violoncello. Tschaikowsky – String Quartets, so heißt die aktuelle CD des Klenke-Quartetts, unser CD-Tipp in hr2 kultur, von Maria Hertweck.

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