Acht Frauenhände zünden Glanzlichter

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Das "Klenke-Quartett" bietet bei den Wurzer Sommerkonzerten opulente Klangfülle

Vier Frauen musizieren seit 20 Jahren zusammen im Streichquartett. Wenn vier Männer das tun, erinnert man sich an berühmte Ensembles wie das "Amadeus-Quartett" oder das "Koeckert-Quartett". Warum existieren so wenige Quartette mit Frauen? Gibt es etwa bei Frauen besondere Klangvorstellungen, die sich von denen der Männer unterscheiden?

Zunächst gibt es immer Klangvorstellungen von Komponisten, denen Männer wie Frauen verpflichtet sind. Dann aber gibt es das Musikerinnen wie Musikern innewohnende Gespür dafür, menschliche Regungen in abstrakte Klangfolgen umzusetzen. Und da könnte doch ein "Allegro risoluto" nuanciert verschieden von Männern und Frauen aufgefasst werden in einem mehr kämpferischen oder mehr standhaften Duktus.

Das "Klenke-Quartett" mit Annegret Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser spielte am Sonntagnachmittag bei den Wurzer Sommerkonzerten - da sich das Wetter als stabil erwies im sehr gut besuchten Garten des Historischen Pfarrhofs. Sein Programm umfasst zwei Höhepunkte im kammermusikalischen Schaffen des jeweiligen Komponisten und zwei viel zu selten gespielte Stücke eines Tonmeisters des 20. Jahrhunderts.

Das Streichquartett G-Dur op. 77/1 von Joseph Haydn leitet ein. Es handelt sich um das vorletzte Werk Haydns für diese Besetzung, dementsprechend reif und ausgewogen ist die Komposition. Der Kopfsatz erweist sich als Quell positiver Ideen, die sich fortschreitend entwickeln. Ein besonders tiefsinniges Adagio folgt, das leise und ruhig dahin gleitet. Ein rasches Menuett und ein noch rascheres Finale schließen sich an und runden das lebensfroh wirkende Werk ab.

Dem "Klenke-Quartett" gelingt es, diese Haltung glaubhaft zu vermitteln, wobei die Darstellung des langsamen Satzes besonders eindringlich wirkt. Man könnte die Musikerinnen als Spezialistinnen für langsame Sätze betrachten, noch dazu, wenn man die nachfolgende "Elegie" betrachtet. Das erste der "Zwei Stücke für Streichquartett" von Dmitri Schostakowitsch wirkt durch die intensive Entfaltung der sehr schwermütigen Melodie.

Aber die nachfolgende "Polka" führt in eine gegensätzliche Welt: Mit Pizzicato-Passagen und heftigen Streichertönen zeigen die Musikerinnen, dass sie auch ungezügelte Gefühlsausbrüche gestalten können. Nach der Pause von Ludwig van Beethoven das Streichquartett e-Moll op. 59/2, das mittlere, ernsteste der dem Grafen Rasumowsky gewidmeten Quartette. Der Anfangssatz läuft rastlos vorbei, das "Molto Adagio" wird sehr langsam und ruhig musiziert. Der komplizierte Rhythmus des Scherzos verlangt gezielte Konzentration, selbst in seinem Mittelteil, dem "Thème russe". Noch schneller wird es im "Presto" des Finales.

Diese breitgefächerten Stimmungen zum Klingen zu bringen, gelingt mitreißend und wird vom Publikum entsprechend gewürdigt. Deshalb als Zugabe der "Walzer" aus den "Divertimenti 1 - 3 für Streichquartett" von Benjamin Britten. Rauschender Beifall für vier Frauen in bester Musizierlaune, die sowohl tiefgründige, sich entwickelnde Stimmungen als auch stürmische Gefühle exorbitant gestalten können.

So ist es auf einer solchen Qualitätsstufe unerheblich, ob Männer oder Frauen musizieren. Und wenn einmal eine etwas anders gestaltete Phrase überzeugt, ist man als Musikfreund besonders beeindruckt.

Oberpfalznetz.de 17.08.11

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